Unsere Abhängigkeit vom Versicherungsriesen

von Dr. Thomas Szekeres, Präsident der Ärztekammer für Wien

Nach der Privatklinik Döbling und der Confraternität-Privatklinik Josefstadt will sich die UNIQA nun das nächste Belegspital in Wien unter den Nagel reißen: das Goldene Kreuz. Damit würde der Versicherungskonzern bereits über 50 Prozent aller Wiener Belegspitäler besitzen. Dass dies nichts Gutes für Patienten und Ärzte bedeutet, liegt auf der Hand. Zwar spricht man auf Seiten der UNIQA-Tochter PremiQaMed nur von einer strategischen Partnerschaft mit Mehrheitsbeteiligung. In Wahrheit aber nimmt die UNIQA mit dieser Übernahme eine absolut marktbeherrschende Stellung ein. Dadurch kann sie die Versicherten hinsichtlich ihrer Prämien und die Ärzte hinsichtlich ihrer Honorare massiv unter Druck setzen. Die UNIQA verleugnet diese Fakten und spricht von einem Marktanteil von 9,4 Prozent. Hier bedient sich die UNIQA übler Zahlentricks, die an der Realität völlig vorbeigehen.

Bei den Geburtskliniken ist die Situation noch dramatischer. Über 80 Prozent der Geburten würden nach der Übernahme in UNIQA-Kliniken stattfinden. Für werdende Mütter in Wien ist die Übernahme des Goldenen Kreuzes daher eine Katastrophe. Wenn diese ihr Kind nämlich von ihrem niedergelassenen Gynäkologen entbinden lassen möchten, sind sie zukünftig völlig von der UNIQA abhängig.

Deshalb hat die Ärztekammer für Wien eine umfassende Stellungnahme an den Bundeskartellanwalt sowie an die Bundeswettbewerbsbehörde eingebracht. Im Interesse aller Versicherten und Ärzte hoffen wir, dass die Behörden diesen Zusammenschluss verhindern werden.

 

Die Ärztekammer fordert Zentralinstitute für Physikalische Medizin und Rehabilitation in allen KAV-Häusern

von Dr. Friedrich Hartl, Referat für Qualitätssicherung der Niedergelassenen Ärzte in der Ärztekammer für Wien

Weltweit gibt es immer mehr Menschen mit Behinderung. Laut dem durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erstellten „World Report on Disability 2011“ liegt das einerseits an der höheren Lebenserwartung und andererseits am Anstieg chronischer Krankheiten.

Menschen mit Behinderungen haben ein höheres Risiko für Sekundärprobleme, für Komorbiditäten (Begleiterkrankungen) und für Verletzungen im Alter. Daher fordert die WHO in ihrem „Global Disability Action Plan 2014-2021“, dass Rehabilitationsmedizin so früh wie möglich im Akutspital beginnen soll. Es macht durchaus Sinn, dass die Behandlung funktioneller Defizite durch ein multiprofessionelles Team bereits parallel zur akutmedizinischen Betreuung beginnt.

Bisherige Forschungsergebnisse wie z.B. der Wiener „Mobility-Day“ haben eindeutig gezeigt, dass durch eine frühfunktionelle Behandlung und Remobilisation gerade auf Akutabteilungen eine Verkürzung der Liegedauer und eine Reduktion der Wiederaufnahmeraten erzielt werden.

Wenn die Stadt Wien ihren Ruf als eine der Welthauptstädte der Medizin nicht verlieren will, müssen auch im Bereich der Frührehabilitation entsprechende internationale Forschungsergebnisse im Wiener Krankenanstaltenverbund zeitnah umgesetzt werden. Eine optimale Leistungserbringung kann nur in Form von Zentralinstituten für physikalische Medizin und Rehabilitation, in der alle relevanten Gesundheitsberufe eingebunden werden, erfolgen! Große und wichtige Kliniken wie die Berliner Charité oder das Ludwig-Maximilian-Universitätsklinikum in München machen dies bereits seit Längerem vor. Dies weist auch die in Zusammenarbeit mit der Gesundheit Österreich G.m.b.H erstellten Versorgungsstudie „Physikalische Medizin und Rehabilitation in Österreich – Aktualisierung 2015“  klar nach.

Deswegen fordert die Ärztekammer für Wien Zentralinstitute für Physikalische Medizin und Rehabilitation als einzig sinnvolle organisatorische Lösung in allen KAV-Häusern! Das bringt eine wesentliche Erleichterung für den Patienten und das Gesundheitssystem.

Allen anderen Ansätzen, die vereinzelt diskutiert werden, wie beispielsweise die Zuordnung der Physiotherapeuten zu den einzelnen Abteilungen, erteilt die Ärztekammer für Wien eine klare Absage.

Die Gesundheit darf auch was kosten

von einem Assistenzarzt im SMZ-Ost

Vor wenigen Monaten wurde mit der Stadt Wien eine Einigung in der Spitalsärztethematik erzielt. Nun gilt es, auf Basis dieser Einigung, die Weichen für eine gute Zukunft der Gesundheitsversorgung Wiens zu stellen – damit die Patienten auch in Zukunft gut versorgt sind und genug Ärzte vorhanden sind, um eben dies zu übernehmen. Hierfür müssen die vereinbarten Rahmenbedingungen eingehalten werden. Eines ist klar: Nur wenn die derzeitigen Arbeitsbedingungen in den Spitälern verbessert werden, werden wir auch in Zukunft eine gute Versorgungsqualität für die Wiener Bevölkerung sicherstellen können.

Herausforderungen der Zukunft

Der demographische Wandel stellt unser Gesundheitssystem vor ungeahnte Herausforderungen. Die Menschen werden älter. Daher steigt auch die Nachfrage nach optimaler und adäquater Gesundheitsversorgung immens. Dies kann nur  mit einer soliden Ausbildung der jungen Ärzte und mehr sowie zielgerichteter eingesetztem medizinischem Personal erreicht werden. Hierfür müssen sowohl die Arbeitsbedingungen als auch die Entlohnung attraktiver gestaltet werden. Ein wichtiger Punkt ist die überbordende Bürokratie: Die jungen MedizinerInnen sollten ihr Augenmerk auf die Patientenbetreuung richten und nicht auf die zunehmende administrative Tätigkeit.  Auch muss über gerechte Entlohnung für einen solch verantwortungsvollen Beruf gesprochen werden: Auch nach der durch die Stadt Wien erfolgten „Gehaltserhöhung“ verdienen Kollegen und Kolleginnen in Deutschland um einiges besser als hierzulande. Dies veranlasst viele, vor allem junge Kollegen und Kolleginnen, zur Auswanderung, da sie dort bessere Arbeitsbedingungen und Entlohnung vorfinden. Andere wiederum gehen in die private Niederlassung.

All diese negativen Entwicklungen wirken sich auf die Patienten aus. Vor allem auf jene, welche sich den privaten Sektor nicht leisten können. Wahlärzte werden immer mehr, Ärzte mit Kassenverträgen immer weniger – da finanziell unattraktiv. Dies widerspricht jedoch dem sozialen Gedankengut vieler Ärzte, weil medizinische Versorgung jedem Patienten zu Gute kommen soll und schürt somit die Unzufriedenheit über die bestehenden Umstände/Rahmenbedingungen, welche zu modellieren Aufgabe unseres Sozialstaates und seiner Entscheidungsträger ist.

Gerade im Bereich der Fachärzte ist diese Problematik eklatant. Im öffentlichen Bereich sind immer weniger Fachärzte tätig. Private Einrichtungen und das Ausland werben diese ab, weil es dort bessere Rahmenbedingungen gibt. Daraus resultiert ein Fachärztemangel im öffentlichen Sektor.
Gleichzeitig gibt es in einigen Fachrichtungen kaum eine Möglichkeit, in einer Ordination der Patientenbetreuung nachkommen zu können (z.B. chirurgische Fächer, Hygiene + Mikrobiologie,…). Bei einem niedrigen Spitalverdienst und keiner Möglichkeit zu einem Nebenverdienst kommen junge Mediziner dadurch oft zum Ergebnis, dass es aus finanzieller Sicht besser wäre, gleich eine andere Fachrichtung zu wählen.

Somit werden in manchen Bereichen weniger Fachärzte ausgebildet.

Es stellt sich zudem die Frage, wovon die Kapitalmittel zur Ordinationsgründung erspart werden sollen, wenn der Spitalverdienst so niedrig ist. Die Folge ist eine weitere Reduktion der Niederlassungen (zumindest der mit Kassenverträgen, da nicht lukrativ/leistbar) und somit eine weitere Ausdünnung der Patientenversorgung.

Es ist also einiges zu tun. Und wir Ärzte können und werden nicht wegsehen, solange diese Dinge (attraktivere Arbeitsbedingungen, um Ärzte in den Gemeindespitälern zu halten und anzuwerben, sowie zielgerichtete Patientenversorgung) nicht umgesetzt sind. Denn eine gute medizinische Versorgung stellt ein Grundbedürfnis der Menschen dar und sollte in einer gut entwickelten Gesellschaft gegeben sein.

Einigung mit der Gemeinde Wien

Eine deutliche Erhöhung bei der Abgeltung von Nacht-, Sonn- und Feiertagsdiensten, Zuschläge für alle an einer zentralen Notaufnahme tätigen Ärztinnen und Ärzte sowie veränderte Dienstzeiten nur mit Zustimmung der betroffenen Mitarbeiter – das sind einige der Eckpunkte der soeben erzielten Vereinbarung zum neuen Dienstzeitmodell und Besoldung der Ärztinnen und Ärzte im Wiener KAV.

Nach einem wahren Kraftakt im Kampf um neue Arbeitsbedingungen in den Wiener Gemeindespitälern gibt es nun doch eine Einigung zwischen der Wiener Ärztekammer und der Stadt Wien: Im Vorfeld der Kuriensitzung am 1. Juli 2015 wurden zwischen der Stadt Wien, der Gewerkschaft der Gemeindebediensteten und der Ärztekammer – vertreten durch Kammeramtsdirektor Thomas Holzgruber – informelle Gespräche geführt, in denen ein Paket erarbeitet wurde, welches entscheidende Nachbesserungen enthielt. Dieses Paket wurde dann in der Kurie mit deutlicher Mehrheit angenommen – ein allfälliger Streik war damit vom Tisch.

Der Blick zurück
Bereits im November vergangenen Jahres hatte die Wiener Ärztekammer sofortige Verhandlungen über die Arbeitszeiten der Spitalsärzte gefordert, um drohende massive Gehaltseinbußen zu verhindern. Im Rahmen der mit 1. Jänner 2015 in Kraft getretenen Novelle des Krankenanstalten-Arbeitszeitgesetzes, wird die wöchentliche Höchstarbeitszeit für Spitalsärzte schrittweise bis zum Jahr 2021 auf durchschnittlich 48 Stunden pro Woche herabgesetzt. Während in anderen Bundesländern schon lange im Vorhinein entsprechende Änderungen bei den Arbeitszeiten sowie Gehaltsanpassungen durchgeführt wurden, ist in Wien jahrelang nichts passiert.
In der Vollversammlung der Ärztekammer für Wien am 9. Dezember 2014 wurde schließlich ein Beschluss zur Forderung der Erhöhung der Grundgehälter um 30 Prozent gefasst. Auch wurden ausreichend Geldmittel für Kampf- und Streikmaßnahmen bereitgestellt.
Doch auch nach dem Inkrafttreten der Gesetzesnovelle mit Jahreswechsel liefen die Verhandlungen über die neuen Arbeitsbedingungen nur sehr zäh an, im Spitalsbetrieb machten sich erste Versorgungsengpässe bemerkbar. Das führte zu einem ersten Höhepunkt der Protestwelle: die Großkundgebung in der Halle E im Museumsquartier am 19. Jänner 2015, an der mehr als 1500 Ärztinnen und Ärzte teilgenommen und ihren Unmut über die zähen Verhandlungen mit den Arbeitgebern – damals gab es mit noch keinem Wiener Spitalsträger eine Einigung – Luft gemacht haben. Diese von der Ärztekammer initiierte Protestmaßnahme führte zumindest einmal zu intensiven Verhandlungen und einer ersten Annäherung.
Am 29. Jänner 2015 wurde dann sogar eine Einigung zwischen der Stadt Wien, dem Wiener Krankenanstaltenverbund, der Gewerkschaft der Gemeindebediensteten und der Ärztekammer verkündet und ein neues Gehaltsschema mit einer Erhöhung der Grundgehälter zwischen 19 bis 29 Prozent präsentiert – eine doch zu frühe Erfolgsmeldung, denn kurze Zeit später stellte die Gesundheitsstadträtin Einsparungen in Form einer Personalreduktion von ungefähr 400 Stellen in den Raum, eine für die Ärztekammer inakzeptable Maßnahme, da dadurch massive Leistungseinschränkungen für Patienten zu befürchten waren. Nach und nach kristallisierten sich dann auch noch weitere negative Auswirkungen für die in der Gemeindespitälern tätigen Kolleginnen und Kollegen heraus, was schließlich dazu führte, dass das Verhandlungsergebnis Anfang März im Rahmen einer Urabstimmung von 87,44 Prozent der betroffenen Kolleginnen und Kollegen abgelehnt wurde. Das Gehaltsschema wurde dennoch im Wiener Gemeinderat beschlossen, um ein Inkrafttreten mit 1. Juli 2015 zu ermöglichen.

Keine Personalreduktionen
Die neu aufgestellten Forderungen der Ärztekammer beinhalteten als zentrale Forderung eine angemessene Abgeltung von Nacht-, Sonn- und Feiertagsdiensten sowie einen Stopp aller Pläne hinsichtlich Personalreduktionen. Die Protestmaßnahmen der Ärzteschaft gipfelten schließlich am 23. März 2015 in einem Demonstrationszug und einer Großkundgebung in der Wiener Innenstadt, an der sich mehr als 2000 Ärztinnen und Ärzte beteiligten.
Obwohl man durch diesen Protest weitere Verhandlungen erzwingen konnte, gab es inhaltlich nur kleine Fortschritte. Auch ein zweites Verhandlungspaket wurde von der Kurie abgelehnt. Eine völlige Gesprächsverweigerung seitens der Gesundheitsstadträtin war daraufhin die Folge. Während es Ende Mai sowohl für die Kolleginnen und Kollegen der Ordensspitäler als auch – nach Streikdrohung – der MedUni Wien zu einer Einigung hinsichtlich eines neuen Besoldungsschemas kam, hielt die Stadt Wien, und mit ihr der KAV, an ihrer Blockadehaltung also fest. Die offenen Forderungen der Ärzteschaft blieben unerfüllt. Für die Kurie machte dies weitere Protestmaßnahmen unumgänglich.
Analog zum AKH führte die Ärztekammer daher vom 19. bis 24. Juni 2015 eine Abstimmung über die Bereitschaft der KAV-Kollegenschaft, sich an einem Streik zu beteiligen, durch. An der Abstimmung nahmen 2214 der 3809 stimmberechtigten Kolleginnen und Kollegen teil. Mit 93,45 Prozent stimmte eine beeindruckende Mehrheit für einen Streik.

In letzter Minute
Angesichts eines drohenden Streikbeschlusses der Kurie am 1. Juli 2015 besserte Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely auf Basis der davor stattgefundenen informellen Gespräche dann doch noch das Angebot der Stadt Wien ordentlich nach und ging damit auf alle fünf offenen Forderungen der Ärztekammer ein (siehe unten). Vor allem die Frage um die Abgeltung von Nacht-, Sonn-, und Feiertagsdiensten konnte dabei geklärt werden. Das Paket enthält außerdem Funktionszulagen für bestimmte Bereiche, zum Beispiel für die zentralen Not-aufnahmen. Das führte dazu, dass am 1. Juli schließlich eine Einigung mit der Stadt Wien beschlossen werden konnte. Zwei dabei noch bestehende Vorbehalte wurden am Tag darauf von der Stadt Wien akzeptiert. Eine gemeinsame Monitoring-Gruppe, bestehend aus Ärztekammer, Gewerkschaft, KAV und Stadt Wien, wird sich nun in einem ersten Schritt vor allem mit den derzeit laufenden Umsetzungsmaßnahmen an den Abteilungen sowie der Einbindung der betroffenen Ärztinnen und Ärzte befassen.

Was die Ärztekammer für Sie erreicht hat

Die Forderungen vor der Streikabstimmung und die Verhandlungsergebnisse im Überblick

  • Keine Personalreduktionen bei künftig begrenzter ärztlicher Arbeitszeit

Das haben wir erreicht: Innerhalb des KAV frei werdende ärztliche Ressourcen (zum Beispiel durch die Etablierung von zentralen Notaufnahme und damit Entlastung der anderen Abteilungen) werden genutzt, um derzeit stark belastete Bereiche zu unterstützen oder mittelfristig für die Stärkung der Versorgung im niedergelassenen Bereich zu sorgen. Die Personalausstattung folgt dabei dem Leistungsgeschehen der jeweiligen Abteilung. Eine Personalreduktion um ungefähr 400 Stellen, wie ursprünglich von der Stadt Wien geplant, ist damit vom Tisch.

  • Veränderte Dienstzeiten nur mit Zustimmung der betroffenen Mitarbeiter

Das haben wir erreicht: Die Wiener Ärztekammer, die Gewerkschaft der Gemeindebe-diensteten, die Stadt Wien sowie der KAV bekennen sich, die vereinbarten Punkte des Gesamtpakets so rasch wie möglich in der Umsetzung voranzutreiben. Als zentraler Schritt wird hierfür umgehend die Arbeit in der vereinbarten gemeinsamen Monitoring-Gruppe aufgenommen, die sich in einem ersten Schritt vor allem mit den derzeit laufenden Umsetzungsmaßnahmen an den Abteilungen und der Einbindung der betroffenen Ärztinnen und Ärzte durch anonyme Befragungen an den Abteilungen zu den Arbeitszeitmodellen befassen soll.

  • Verbesserung der Nachtdienstkompensation (Entlohnung, Freizeitkompensation), insbesondere an Samstagen, Sonn- und Feiertagen

Das haben wir erreicht: Zusätzlich zur Nachtdienst- und Sonn- und Feiertagszulage werden ab 1. Jänner 2016 allen Ärztinnen und Ärzten für jede erbrachte Arbeitsstunde innerhalb der Normalarbeitszeit an einem Sonn- oder Feiertag 7,25 Euro pro Stunde als weitere Zulage gewährt. Insgesamt beträgt die Zulage zusätzlich zum Grundgehalt für einen Samstags-/Sonntagsdienst ab 1. Jänner 2016 223 Euro und ab 1. Juli 2016 248 Euro. Die Zulage zusätzlich zum Grundgehalt für Sonntags-/Montagsdienste beträgt ab 1. Jänner 2016 311 Euro und ab 1. Juli 2016 336 Euro. Darüber hinaus werden alle Überstunden, die auf einen Sonn- oder Feiertag fallen, im Verhältnis 1:2 abgegolten (und nicht, wie von der Stadt Wien ursprünglich gefordert, nur im Verhältnis 1:1,5).
Ausgehend vom gemeinsamen Zielwert von ungefähr 100.000 Nachtdiensten jährlich wird die Nachtdienstzulage per 1. Jänner 2016 von 75 auf 135 Euro und per 1. Juli 2016 auf 160 Euro pro geleistetem Nachtdienst innerhalb der Normalarbeitszeit erhöht. Unbeschadet der bereits im Landtag beschlossenen Gehaltserhöhung für Allgemeinmediziner und Fachärzte im KAV zum 1. Jänner 2017 entfallen die für die Stadt Wien üblichen jährlichen Erhöhungen für die Berufsgruppe der Ärztinnen und Ärzte im Jahr 2016 und 2017. Im Falle eines Abschlusses für die Bediensteten der Stadt Wien für das Jahr 2017 von mehr als 2,5 Prozent würden jedoch auch die Ärztinnen und Ärzte eine Erhöhung in dem Prozentsatz, der diese 2,5 Prozent übersteigt, erhalten.

  • Fachärztliche Ausstattung und Ausbau von Notaufnahmen

Das haben wir erreicht: Alle an einer zentralen Notaufnahme tätigen Ärztinnen und Ärzte erhalten ab 1. Jänner 2016 pro geleisteter Stunde innerhalb der Normalarbeitszeit einen Zuschlag von 5 Euro pro Stunde. Ausgenommen davon sind Arbeitsstunden, die innerhalb eines verlängerten Dienstes (25-Stunden-Dienst) in einer zentralen Notaufnahme geleistet werden. Ziel ist eine stark etablierte Notaufnahme hinsichtlich Ablauforganisation und Qualifikation, um so die dadurch umfassten Abteilungen vor allem in der Nacht durch Reduktion der Nachtaufnahmen und Konsiliardienste entlasten zu können. Folglich ist auch der Abbau von Nachtdiensten an den so entlasteten Abteilungen möglich und die Personalausstattung der Leistung folgend anzupassen. Das Konzept der zentralen Notaufnahme beinhaltet die Einführung einer Triage nach international üblichen Beispielen sowie den von der Ärztekammer geforderten Wegfall der Begutachtungspflicht aller ambulanten Patienten durch einen einschlägigen Facharzt.

  • Adäquate Anpassung der Gehälter von ärztlichen Direktoren und Primarärzten an das neue Schema ärztlicher Entlohnung

Das haben wir erreicht: Ein neues Besoldungsschema für Primarärzte und ärztliche Direktoren wird bis spätestens Ende 2015 erarbeitet, womit die Besoldungsreform der Stadt Wien vorgezogen wird. Dabei wird ein umfassendes Gesamtpaket unter Berücksichtigung aller Aspekte (Gehaltsstruktur, Sonderklasse, Nebenbeschäftigungen, Führungsaufgaben, Führungsverantwortung, Bestellungsverfahren) erarbeitet. Es ist vereinbart, dass dabei auch eine rückwirkende Erhöhung mit 1. Juli 2015 in Höhe von 1200 Euro pro Monat (14-mal jährlich) enthalten sein wird.

Es geht um nicht weniger als die ärztliche Versorgung der Wienerinnen und Wiener

Geschätzte Adressaten,

Als Verfasser dieser Zeilen darf ich behaupten, dass ich weiß, wovon ich spreche! Als Student arbeitete ich als Stationsgehilfe auf einer Pathologie. Nach der Promotion, es war die Zeit der „Ärzteschwemme“, war ich ein Jahr lang als „Arzt im Pflegedienst“ tätig. Ich musste mich damals per Unterschrift verpflichten, auf die Anrede „Herr Doktor“ zu verzichten! Nach einem Jahr konnte ich dann als Turnusarzt in einem Privatspital arbeiten. Nach weiteren Stationen, u.a. im AKH, wo ich eine Assistentenstelle an der Univ.-Klinik für Unfallchirurgie bekleidete, begann ich 1994 die Facharztausbildung: Allgemeinchirurgie, Herzchirurgie und Gefäßchirurgie. Seit 2007 bin ich aktiver Funktionär der Ärztekammer für Wien, bin u.a. Mitglied des Niederlassungsausschusses, Co-Referent in der Servicestelle für Jungärzte und leite den Medizinalratausschuss. Natürlich bin ich Mitglied der Kurie der Angestellten Ärzte und habe deren Beschlüsse aktiv mitgetragen. Für den Kurier schreibe ich Artikel als sogenannter Gesundheitscoach.

Eines sei bezüglich der Debatte um die Spitalsärzte klargestellt: Es geht hier weder um die Befindlichkeit einer Einzelperson, noch um deren Qualifikation bzw. deren individuelles Einkommen! Es geht hierbei UM DIE SACHE! Und diese lautet: die ärztliche Versorgung der Wienerinnen und Wiener! Diese kann nur durch ausgeruhte, in ihrem Wirken geschätzte und adäquat honorierte Ärztinnen und Ärzte in funktionierenden Systemen gewährleistet werden! In diesem Diskussionsprozess haben Neiddebatten, falsch verstandener politischer Gehorsam und Schönfärberei keinen Platz!
Wenn Politiker meinen, in einem Wahljahr einen Konflikt mit Ärzten austragen zu müssen, ist das deren Sache. Gesundheitliche Anliegen der Bevölkerung Wiens sind Sache der in dieser Stadt tätigen Ärztinnen und Ärzte!

Deshalb werden wir als Standesvertreter auch nicht müde werden, unsere Sorgen zu publizieren. Wir kratzen an niemandes Integrität, lassen uns aber VON NIEMANDEM als überbezahlte Faulpelze, die in ihr Krankenhaus fahren, um sich dort auszuschlafen, degradieren! Umso mehr müssen wir als Mandatare der Ärztekammer auf den Plan treten, nachdem uns die eigene Gewerkschaft mehrmals signalisiert hat, was sie von uns hält. Konfuzius sagte: „Wer die Wahrheit sagt, braucht ein schnelles Pferd!“ Wir sind der Wahrheit im Sinne des Wohlergehens der Bevölkerung verpflichtet. Wir laufen vor niemandem davon und haben einen langen Atem!

Mit besten Grüßen,
Peter Poslussny

Reduzierung von Kassenstellen: Wo sollen die Patienten hin?

von OMR Dr. Rudolf Hainz, 1. Stv. Obmann der Kurie Niedergelassener Ärzte der Ärztekammer für Wien

Ist eine funktionierende ärztliche Versorgung der Wiener Bevölkerung nur mehr den Ärztinnen und Ärzten ein Anliegen? Wenn man die Aussendungen zum Thema Umstrukturierungen des Wiener Gesundheitssystems genau liest und analysiert, könnte man diesen Eindruck tatsächlich gewinnen. Fakt ist: Wir fordern seit Jahren vehement mehr Kassenstellen im Facharzt- und Allgemeinmedizinbereich. Das Gegenteil passiert, weil es angeblich im RSG – dem Regionalen Strukturplan Gesundheit – so steht. Nicht nur hier geht man verantwortungslos und von völlig falschen Kriterien aus. Die wirklichen Bedürfnisse der Wiener Bevölkerung werden genauso wenig berücksichtigt wie die echten Anliegen der Ärztinnen und Ärzte.

Die Infrastruktur im niedergelassenen Bereich wurde schon seit Jahren reduziert, obwohl die Einwohnerzahl in Wien stetig gestiegen ist. Nun soll auch hier bei gleichzeitiger Schließung der Spitalsambulanzen erneut massiv reduziert werden. Schon jetzt ist es schwierig, einen Termin bei Fachärzten zu bekommen, weil sie größtenteils überlastet sind. Viele Allgemeinmediziner können keine neuen Patientinnen und Patienten mehr annehmen, weil sie jetzt schon weit über ihre Kapazitäten arbeiten. Wo sollen die Patientinnen und Patienten dann hin? Wer kümmert sich um sie, wenn viele Ärztinnen und Ärzte jetzt schon so überlastet sind?

Die Kolleginnen und Kollegen in den Spitälern warten seit Jahren auf menschenwürdige Arbeitsbedingungen und eine leistungsorientierte Honorierung. Ihre verantwortungsvolle Arbeit muss endlich geschätzt und aufgewertet werden. Die Arbeitszeiten müssen entsprechend den gesetzlichen Vorgaben eingehalten werden. Bürokratische Auswüchse – hier könnte man vieles reduzieren – müssen sowohl im Spital als auch im niedergelassenen Bereich endlich auf ein vernünftiges Maß gebracht werden.

Die Burn-out Rate der Ärztinnen und Ärzte ist so hoch wie nie. Auch hier muss endlich von Seiten der Politik Vorsorge getroffen werden! Der geplante Wegfall der Spitalsambulanzen, wichtige Anlaufstellen für die Wiener Bevölkerung, wird vor allem im fachärztlichen Bereich zu dramatischen Versorgungsengpässen und massiven Mangelzuständen führen.

Zu glauben, einfach nur zu reduzieren ist der Stein der Weisen, wird sich zum Bumerang entwickeln und weder im stationären noch im niedergelassenen Bereich funktionieren. Eine Neustrukturierung kann nur dann funktionieren, wenn bei Reduktionen im Spitalsbereich gleichzeitig neue Strukturen im niedergelassenen Bereich geschaffen werden. Nicht Monate oder Jahre später, denn wo gehen die Patientinnen und Patienten in der Zwischenzeit hin?

Alles andere wäre grob fahrlässig und würde einer versorgungspolitischen Fehlleistung ersten Ranges entsprechen. Deshalb: Reformen ja, aber demokratisch, vernünftig und mit Weitblick. Wie? Durch gemeinsames Agieren von Stadt Wien, Wiener Gebietskrankenkasse und der Wiener Ärzteschaft. Zum Schutz unserer Ärztinnen und Ärzte in den Spitälern und im niedergelassenen Bereich und zum Wohle unserer Patientinnen und Patienten.

Frau Dr. Pilz, bitte stoppen Sie Ihr Ärztebashing!

Offener Brief von Ass. Prof. Dr. Florian Wolf

Sehr geehrte Frau Dr. Pilz!

Mit großem Interesse aber noch mit größerem Unverständnis und zunehmender Verärgerung verfolge ich Ihre verstärkte mediale Präsenz in den letzten Tagen.
Aus informierten und Ihnen nahestehenden Kreisen ist mir bekannt, dass Sie in Ihrer Arbeit im Bereich des Gesundheitswesens sehr kompetent sind. Diese Kompetenz will ich Ihnen sicherlich nicht abstreiten.

Ich finde es aber wirklich entbehrlich und eigentlich unerhört, wenn Sie mehrfach die gesamte Ärzteschaft als korrupte Kuvertmediziner darstellen. Wenn Ihnen solche Fälle gemeldet werden, dann gehen Sie diesen bitte nach und sorgen Sie gemeinsam mit den entsprechenden Stellen dafür dass das nicht mehr passiert, aber bitte unterlassen Sie diese ständige Generalisierung.
Des weiteren finde ich es ebenfalls vollkommen unnötig, dass Sie sich in Ihrer Position als Patientenanwältin in die derzeitigen Konflikte zwischen KAV/MUW und Co. und der Ärzteschaft einmischen. Ihre Aufgabe ist es sich um das Wohl der Patienten zu kümmern und nicht um die Arbeitsbedingungen der Ärzte – und ich kann ihnen aus unzähligen Gesprächen mit Patienten berichten, dass diese für unsere Anliegen wirklich Verständnis haben.

Frau Dr. Pilz, ich verfolge Ihren Werdegang seit den frühen 2000er Jahren und habe unzählige Kommentare und Zeitungsartikeln von Ihnen gelesen. Wie ein roter Faden zieht sich durch diese Schriftstücke ein ständiger Angriff, ein Neid und ein Hass auf die gesamte Ärzteschaft, was mir einfach nur unerklärlich ist. Ihre persönlich Vorgeschichte, die diesen Umstand begründet ist mir unbekannt – aber ich bitte Sie in aller Höflichkeit dies in Zukunft zu unterlassen.

Mit freundlichen Grüßen,
Florian Wolf

Die Schwierigkeiten des Spitalsbetriebs nach dem neuen Ärztearbeitszeitgesetz

Von Dr. Wolfgang Mor, Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde im St. Anna Kinderspital

Das St.Anna-Kinderspital ist zwei Aufgaben verpflichtet: Der Betreuung der Wiener Kinder, die wegen eines offensichtlichen gesundheitlichen Problems die Ambulanz zu jeder Tages- oder Nachtzeit aufsuchen – und der Versorgung von Kindern mit Krebserkrankungen aus dem gesamten Osten Österreichs. Diese beiden Aufgaben sind oft schwer unter einen Hut zu bringen, bedeuten sie doch, die gesamte Nacht hindurch Kinder zu versorgen, die gerade eine akute Erkrankung entwickeln – und parallel dazu intensive Therapien an schwerstkranken Patienten zu leiten.

In diesem Sinne waren wir es als Ärzte des Spitals gewohnt, trotz aller nächtlichen Dienstverpflichtungen täglich anwesend zu sein, um die kontinuierliche Betreuung der uns anvertrauten kleinen Patienten optimal sicher zu stellen, auch wenn dies zu in anderen Berufsgruppen ungeahnt hohen Dienstzeiten geführt hat. Mit 1. Jänner 2015 trat nun das Ende Oktober 2014 beschlossene neue Krankenanstaltenarbeitszeitgesetz in Kraft. Es versucht, mit Übergangsfristen eine zehn Jahre alte EU-Richtlinie abzubilden, wegen derer Nichtbeachtung der österreichische Staat bereits mit einer EU-Beugestrafe bedroht war.

Das neue Arbeitszeitgesetz bringt einige Veränderungen mit sich, positive wie negative: Ärzte bekommen nun nach 25-Stunden-Dienst eine Ruhezeit von 23 Stunden vorgeschrieben. Eine Ruhezeit, die jedem anderen Arbeitnehmer schon längst zugestanden wäre. Dies bedeutet aber Verluste in der Betreuungsqualität, weil nicht mehr ein- und derselbe Arzt täglich für seine Patienten da sein kann. Die Kontinuität in der Behandlung, wie wir sie bisher bieten konnten, ist nun nicht mehr möglich.

Wir haben aufgrund des neuen Arbeitszeitgesetzes einen relativen Fachärzte-Mangel. Wenn Fachärzte nach Hause gehen, weil sie jetzt müssen, dann fehlen sie an irgendeiner Stelle im Spitalsbetrieb. Das Spital hat zwar früh reagiert und bereits seit Herbst neues ärztliches Personal eingestellt, aber ausschließlich junge Assistenzärzte bekommen, und leider keine Fachärzte, die dienstbedingt fehlen. Das ist aber nicht die Schuld der Spitalsverwaltung, sondern die Realität, weil es eben keine unbeschäftigten Fachärzte gab, die auf das neue Gesetz gewartet hätten.

Erschwerend kommt hinzu, dass wir uns mit hohem organisatorischem und administrativem Aufwand herumschlagen müssen. Für diese Aufgaben gäbe es auf jeden Fall besser geeignetes Personal. Unsere ausländischen Kollegen wundern sich, dass da ständig ein Doktor sitzt und tippt. Aber in Österreich ist so etwas möglich. Bis zu 50 Prozent unserer Arbeitszeit müssen wir also andere Dinge erledigen, als die, die wir in sechs Jahren Studium und zehn Jahren Ausbildung gelernt haben.

In Zukunft wird es Änderungen geben müssen, denn viele Kollegen gehen in den nächsten zehn Jahren in den verdienten Ruhestand – und nur wenige junge Kollegen fangen nach der Universitätsausbildung in Österreich zu arbeiten an. Wir gehen europaweit durch die geburtenschwächeren Jahrgänge einem Ärztemangel entgegen. Junge Universitätsabsolventen können sich europaweit die Ausbildungsplätze aussuchen – und entscheiden sich immer häufiger zu einer Tätigkeit im westlichen Ausland – da dort die Arbeitsbedingungen wesentlich besser sind. Zuletzt haben sich fast 60 Prozent der in Wien ausgebildeten Mediziner für eine Arbeitstätigkeit außerhalb Österreichs entschieden! Diese Realität haben unsere Politiker aber noch nicht verstanden.

Ich möchte an dieser Stelle betonen, dass es hier vorrangig nicht ums Gehalt geht. Uns geht es vielmehr darum, bei der Reduktion der wöchentlichen Arbeitszeit eine ausreichende Personalkapazität zu haben, um weiterhin eine qualitative Patientenbetreuung bieten zu können. Es wird in Zukunft wohl nicht weniger Krankheitsfälle und somit weiterhin viele Patienten geben, aber gleichzeitig weniger Ärzte. Was hier genau auf uns zukommt, können wir noch nicht abschätzen. Trotzdem wollen wir uns bemühen, allen unseren kleinen Patienten gerecht zu werden. Dies kann aber auch durch die neue Situation zu vermehrten Wartezeiten führen. Deshalb haben wir schon in den vergangenen Jahren das Manchester Triage System in der Notfallambulanz eingeführt, um schwer kranke Kinder nach objektiven Kriterien bevorzugt versorgen zu können.

Der Ärztemangel ist auch in Wien angekommen

Von Dr. Peter Rausch, Internist im Krankenhaus Göttlicher Heiland

Seit 1. Jänner 2015 gilt die EU-Regelung, dass Spitalsärzte nur noch durchschnittlich 48 statt 60 Stunden pro Woche arbeiten dürfen. Bei uns im Krankenhaus Göttlicher Heiland werden zurzeit noch alle Leistungen normal erbracht. Es zeichnet sich aber ab, dass es in einigen Bereichen zu Einschränkungen kommen wird. Vor allem in den Bereichen der Anästhesie, der Gynäkologie und Geburtshilfe sowie durch die hohe Belastung von Turnusärzten in der Chirurgie könnte es in absehbarer Zeit zu Problemen kommen. Vor allem an der Anästhesie herrscht, wie in ganz Österreich, schon seit langem Mangel. Ohne unsere hochqualifizierten slowakischen Kollegen könnten wir die Anästhesie zusperren. Ein akutes Problem gibt es auch auf der Gyn, wo derzeit eine Facharztstelle unbesetzt ist und eine karenzierte Oberärztin noch nicht nachbesetzt werden konnte.

Keine Besserung in Sicht?
Doch auch abseits der akuten Schwierigkeiten zeichnet sich für die Zukunft keine Besserung ab. Zahlreiche Ärzte der Babyboom-Generation gehen in den kommenden Jahren in Pension. Zudem locken die Nachbarländer vor allem unsere Jungärzte mit besseren Angeboten. In Deutschland zahlen sie etwa 50 Prozent mehr, in der Schweiz zum Teil sogar das Doppelte. Auch die Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen sind dort deutlich attraktiver. Die Versäumnisse reichen hier bis weit in die Vergangenheit zurück. Selbst in Zeiten der Ärzteschwemme wurden in ganz Österreich nur so viele Ärzte eingestellt, wie unbedingt notwendig und diese durch die Gehaltsstruktur – adäquate Entlohnung nur über zahlreiche Nachtdienste und Überstunden – mit enorm vielen Arbeitsstunden sehr hoch belastet.

Dienst von Freitag 07:15 bis Montag 16:15
Ich habe selbst viele Dienste von Freitag 07:15 Uhr bis Montag 16:15 Uhr gemacht. Und auch die neue EU-Regelung ermöglicht weiterhin Arbeitszeiten von bis zu 72 Stunden pro Woche. Die immer wieder zitierten 48 Stunden Höchstarbeitszeit pro Woche beziehen sich schließlich auf einen Durchrechnungszeitraum von 17 Wochen. Wir brauchen also eindeutig zusätzliches Personal! Doch dieses ist aufgrund der oben genannten Situation leider schwer zu finden. Wir empfinden alle im Dienst ein hohes Maß an Verantwortung gegenüber den Patientinnen und Patienten. Doch die Arbeitsbelastung steigt beständig. Wenn ich es mir aussuchen kann, werde ich auch lieber von einem ausgeschlafenen Chirurgen operiert, als von einem, der schon 20 Stunden durchgearbeitet hat. Es ist also unumgänglich, eine gerechte Regelung zu finden sowie ausbildungs-, verantwortungs- und marktadäquate Gehälter zu bieten.

Ein Viertel Sekretär
Wie in vielen österreichischen Krankenhäusern mangelt es auch uns an Verwaltungskräften. Fachärzte klopfen Nummern in den Computer und schreiben Berichte, während sie sich eigentlich den Menschen widmen könnten. Ein Viertel meiner Arbeitszeit bin ich Sekretär. Das ist Zeit, die uns bei der Betreuung unserer Patienten fehlt. Hier kam es in den letzten 30 Jahren zu Fehlentwicklungen. Das Personal muss unbedingt zielgerichteter eingesetzt werden.

Von der Geburt bis ins Alter
Die Struktur und die Situation im Krankenhaus Göttlicher Heiland ist in vielen Punkten mit anderen Spitälern vergleichbar, aber in den letzten Jahren nur zum Teil an die steigende Versorgungsleistung des Krankenhauses angepasst worden. Wir sind ein Spital mit Öffentlichkeitsrecht und stehen allen Patienten offen, unser Leitbild –die Not der Zeit lindern- wird gelebt. Unser Spital mit seinem breiten Leistungsspektrum von der Geburt bis ins hohe Alter genießt, trotz seiner verhältnismäßig geringen Größe und einer Kapazität von 290 Betten, einen hervorragenden Ruf. Es ist in Gebieten wie der Palliativmedizin Vorreiter und darf auf die erste geriatrische Abteilung in Österreich verweisen. Mit unseren vielfältigen Leistungen können wir 90 bis 95 Prozent der Krankheiten gut behandeln. Und wir werden für unsere Patienten alles tun, um unsere hohe Versorgungsqualität auf jeden Fall zu halten. Möglicherweise müssen wir die Kapazitäten aber für geplante Operationen und andere, nicht akut notwendige Leistungen, reduzieren. Die Nahversorgung, vor allem für die Einwohner des 17. Bezirks, muss aber gegeben sein.