Einsparungen, Überwachung und neue Ideen um Ärzte zu frustrieren

Am gestrigen Freitag erreicht mich ein Anruf aus einem Wiener Gemeindespital.

Was mir die Kollegen auf der anderen Seite der Leitung schildern, klingt zuerst unglaubwürdig, aber nach kurzer Überprüfung macht es mich ungewohnt wütend… und eigentlich traurig.

„Tätigkeits- und Belastungsanalyse“

Ein Mitarbeiter der Generaldirektion des Wiener Krankenanstaltenverbunds hat an Chirurgen iPhone-ähnliche Geräte ausgeteilt, die jeder Arzt ab 1.1.2016 im Nachtdienst mit sich zu führen hat. Dieses Gerät soll zwischen 5 und 15 Minuten, je nach Einstellung, piepsen und den Arzt auffordern, seine gerade durchgeführte Tätigkeit einzugeben. In Ruhephasen kann man es deaktivieren.

Die betroffenen Kollegen wurden weder gefragt, noch wurde diese Überwachungs-Maßnahme angekündigt. Es gab keine Kommunikation. Nach meinem Wissensstand wusste außer der ärztlichen Direktorin (die auch in der Primarärztesitzung nichts davon erwähnte), niemand davon.

Ich kann die Empörung und den Frust unter den Kolleginnen und Kollegen nachvollziehen und spreche mich klar gegen diese Form der „Analyse“ aus.

Einsparungen

Des weiteren wurden in den vergangenen Tagen einige geplante Einsparungen bekannt:

Im Bereich der Pflegewohnheime sollen viele ärztliche Nachtdienste gestrichen werden. Eine schlechtere medizinische Versorgung mit viel mehr Aufnahmen in den Akutspitälern, einschließlich beschwerlicher Rettungstransporte für die pflegebedürftigen alten Patienten, wird die Folge sein. Durch den größeren Aufwand, werden auch Mehrkosten damit verbunden sein.

Außerdem muss die Frage gestellt werden, wie man diese Patienten denn zukünftig in der Nacht versorgen will?

Aus den Gemeindespitälern hört man nämlich auch nur von geplanten Kürzungen:

Nachtdienste werden, ohne Kenntnis der Verantwortlichen im KAV welche Leistungen überhaupt in der Nacht erbracht werden, gestrichen.

Leistungseinschränkungen

Dabei ist es bereits zu massiven Leistungseinschränkungen gekommen. Um nur ein Beispiel zu nennen:

Aus Personalmangel wurden im Wilhelminenspital auf den internen Abteilungen (Onkologie, Pulmologie) Stationen gesperrt. Da diese Stationen aber natürlich nicht leer, und damit noch Patienten zu versorgen waren, wurde die Zahl der Gangbetten in den noch geöffneten Stationen erhöht. Ein Schildbürgerstreich auf Kosten der Patienten.

So kann es einfach nicht weitergehen!

Wir als Vertretung der Ärztinnen und Ärzte werden sicherlich nicht tatenlos zusehen, wie willkürlich ein relativ gut funktionierendes Gesundheitssystem an die Wand gefahren wird.

Dr. Thomas Szekeres

Präsident der Ärztekammer für Wien

8 Kommentare
    • Anonymous
      Anonymous says:

      einfach in den nächsten Mistkübel schmeißen!
      Ich hatte ein Gespräch mit dem Betriebsrat, es wurde das Gespräch mit einem Smartphone aufgezeichnet ohne mich zu informieren!
      Weit ist es gekommen!

      Antworten
  1. Maulkorbträger
    Maulkorbträger says:

    Alle anderen mögen bitte sehr gut aufpassen. Was da alles passieren kann. Besonders gefährlich: es könnte aus der Brusttasche ins Klo fallen, es könnte gestohlen werden, auf den Boden fallen, im Zimmer vergessen werden.

    Genau genommen ist das Projekt viel zu gefährlich, um von Erfolg gekrönt werden zu können.

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  2. Die Betroffenen
    Die Betroffenen says:

    Auf den Tisch hauen! Aufstehen! Jetzt!
    Alle. Gemeinsam.
    Keine Spielchen. Keine Worthülsen.
    Dokumente und Beweise für Verfehlungen und Missstände gibt es zu Hauf und es wird immer mehr.

    Über die Feiertage können wir Energie tanken und dann muss es Schlag auf Schlag gehen! Lg

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  3. Anonymus
    Anonymus says:

    Diese Maßnahme können wir nur als nachträgliche Rechtfertigung für die Reduktion der Diensträder und besonders auch Nachtdienste in den Pflegeheimen sehen. Aber es wird zu einer massiven Erhöhung der Rettungstransporte und Belastung des niedergelassenen Sektors kommen, ohne dass es in diesen Bereichen zu einer Erhöhung der Honorarsumme kommen wird.

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