Ich hätte da ein paar Fragen …

Ein Oberarzt der Chirurgie bloggt

Hat sich der KAV eigentlich überlegt,

– wie in einer 40-Stunden-Woche eine Assistenzarztausbildung an einer chirurgischen Abteilung erfolgen kann,
– der OP-Katalog überhaupt erfüllt werden kann,
– wie der Fortbildungsnachweis erbracht werden kann, wenn die Anwesenheit bei der wöchentlichen Fortbildung nahezu unmöglich wird,
– wie die Ausbildung ohne entsprechende Routinedienstpräsenz angerechnet werden kann,
– wie die jungen Fachärzte für größere und schwierigere OPs angelernt und darauf vorbereitet werden,
– und vor allem von wem?

In der Chirurgie gibt es in 40 Stunden keine OP-Routine, keine Lernkurve und man bleibt auch nicht in Übung. Schon gar nicht, wenn nebenher auch Ambulanz- und Stationsarbeit wie auch Administratives zu erledigen sind.
Wer von den stationsführenden Oberärzten kann eine Station ohne ausreichende Anwesenheit tatsächlich führen, wenn er nur drei von sieben Tagen anwesend ist und in dieser Zeit auch noch operiert?
Welcher Primar kann seine Abteilung auf diese Art führen, wenn er selbst viele Stunden für aufwändige Eingriffe im OP steht – und dafür dann tagelang abwesend sein müsste, um nicht über die 40 Stunden zu kommen?
Ist es tatsächlich rechtens, dass ein Dienstgeber Überstunden verbietet, wenn dies so einschneidende Konsequenzen für die Ausbildung und derzeitige wie künftige Patientenversorgung hat? Vor allem auch, wenn es um medizinische Versorgung geht, die auf gar keinen Fall „ausgelagert“ werden kann – weder in die Niederlassung noch in die Privatmedizin.
Ist es tatsächlich möglich – und damit meine ich rechtlich haltbar – dass durch eine Verordnung/ein Dekret/eine Entscheidung des Dienstgebers die Ausbildung nicht nur ineffizient, sondern vollkommen unmöglich wird?
Mit der 40-Stunden-Woche – so glaube ich – kippt nicht nur die Patientenversorgung, sondern die Facharztausbildung per se. Vor allem in Fächern, welche einen Arbeitstag nur bedingt planen können.
Darf der KAV wirklich durch das Verbieten von Überstunden die Facharztausbildung wie auch die Ausbildungstätigkeit und bisherige Patiententätigkeit zunichtemachen?

1 Antwort
  1. Doris Lang
    Doris Lang says:

    Als Patientin bin ich auf medizinische Versorgung angewiesen, wie ein Kind von seinen Bezugspersonen bin ich hochgradig abhängig von den mich behandelnden ÄrztInnen, Menschen aus Fleisch und Blut wie Sie und ich. Menschen mit einem Leben, das nicht nur aus Klinik besteht.

    Der Wortstamm von Arzt und Kunst = ARS. Ich wünsche mir dass Ärztinnen und Ärzte ihre Kunstfertigkeit ausüben und sich dabei auf das Wesentliche konzentrieren können. Mir liegt das Wohlergehen ‚meiner‘ Ärztinnen und Ärzte sehr am Herzen, weiß ich doch, dass ihre Befindlichkeit sich direkt auf meine Befindlichkeit auswirkt. Ganz unsentimental und eigennützig betrachtet.

    Eine krankmachende Arbeitsplatzsituation macht krank. Und ist es nicht so, dass der Arbeitgeber eine Sorgfaltspflicht gegenüber seinen Angestellten hat? Täusche ich mich darin, dass das ein verbriefter Bestandteil des Arbeitsrechts ist?

    Es kann nicht im Interesse der Gesellschaft sein, dass die Heiler selbst krank werden. Denn wer soll denn dann noch heilen? Es macht mir Angst zu erleben, dass engagierte, gut ausgebildete Ärztinnen Untersuchungen im Zeitraffer durchführen müssen, sogar ihre Sprechgeschwindigkeit dem Zeitdruck anpassen, um mit dem (Zeit)Druck und Workload zurecht zu kommen. In so einer Situation wäre ich gerne auch deshalb gesund, weil ich mein Gegenüber entlasten möchte.

    Abgesehen davon sagt mir mein Hausverstand, dass die Kosten im Gesundheitswesen nicht kleiner werden, wenn es so weitergeht. Klugerweise ist also eine förderliche Arbeitsplatz- und Arbeitszeitgestaltung im klinischen Bereich also die beste Investition, die das System tätigen kann.
    Als Patientinnen stelle ich mich voll und ganz auf die Seite der KlinikärztInnen.

    Gesundheit ist die Basis für alles andere. Es gibt nichts, das wichtiger ist!

    Das gilt für alle!

    Mit solidarischen, nicht ganz uneingennützigen Grüßen
    Doris Lang

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