Manchmal lügen Zahlen doch – realitätsfremde Annahmen des KAV

Beitrag einer Wiener HNO-Ärztin

Wien wächst seit über einem Jahrzehnt kontinuierlich, wird in absehbarer Zukunft die Zwei-Millionen-Marke überschreiten. Zudem wird die Bevölkerung insgesamt älter, was bedeutet, dass der Bedarf an medizinischen Leistungen immer weiter steigen wird.

Daher kann ich in meinem Bereich HNO über so manche Annahme im „Wiener Spitalskonzept 2030“ des KAV nur den Kopf schütteln.

Weniger Patienten?! 

Im Jahr 2014 hat es in Wiens Gemeindespitälern 8.368 Aufnahmen im HNO-Bereich gegeben – stationär, tagesklinisch und ambulant zusammengenommen. Für das Jahr 2030 wird – Bevölkerungswachstum und Abflachen der Alterspyramide miteingerechnet – ein Bedarf von 8.300 angenommen, also etwas weniger als derzeit. Meine persönliche Schätzung hingegen liegt bei etwa dem doppelten Wert.

Abteilungen werden geändert, obwohl es nicht besser geht.

Ein zweites Beispiel:
Im Zuge des Konzepts wird auch ein Ist- und Soll-Wert bezüglich PatientInnen-Verweildauer für die einzelnen Fachbereiche angegeben. Bei diesem Koeffizienten geht es also um die Bettenauslastung und Einsparungspotenziale.

Der Ist-Wert in Wiens HNO-Abteilungen liegt bei 1,01, der Sollwert bei 1,00. Man muss kein Mathematik-Genie sein, um zu sehen, dass wir uns hier schon am Optimum befinden und keine Einsparungspotenziale mehr vorhanden sind. Dennoch sind auch im HNO-Bereich zahlreiche Abteilungsschließungen, Übersiedlungen und Betteneinsparungen geplant.

Ich leide… 

Was ist in diesem Zusammenhang die einzig mögliche Folge von Einsparungen einer am Effizienz-Optimum arbeitenden Fachrichtung? Richtig, noch längere Wartezeiten! Das tut mir als HNO-Ärztin besonders weh, weil die Situation für die PatientInnen teilweise jetzt schon unerträglich ist – trotz des großen Einsatzes und Kampfgeistes der jeweiligen Abteilungen.

Der Trend, die PatientInnen in Wahlordinationen zu treiben, wird also weiter verstärkt. Diejenigen, die sich keinen Wahlarzt leisten können, bleiben auf der Strecke.

Manchmal lügen Zahlen eben doch.

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