Reduzierung von Kassenstellen: Wo sollen die Patienten hin?

von OMR Dr. Rudolf Hainz, 1. Stv. Obmann der Kurie Niedergelassener Ärzte der Ärztekammer für Wien

Ist eine funktionierende ärztliche Versorgung der Wiener Bevölkerung nur mehr den Ärztinnen und Ärzten ein Anliegen? Wenn man die Aussendungen zum Thema Umstrukturierungen des Wiener Gesundheitssystems genau liest und analysiert, könnte man diesen Eindruck tatsächlich gewinnen. Fakt ist: Wir fordern seit Jahren vehement mehr Kassenstellen im Facharzt- und Allgemeinmedizinbereich. Das Gegenteil passiert, weil es angeblich im RSG – dem Regionalen Strukturplan Gesundheit – so steht. Nicht nur hier geht man verantwortungslos und von völlig falschen Kriterien aus. Die wirklichen Bedürfnisse der Wiener Bevölkerung werden genauso wenig berücksichtigt wie die echten Anliegen der Ärztinnen und Ärzte.

Die Infrastruktur im niedergelassenen Bereich wurde schon seit Jahren reduziert, obwohl die Einwohnerzahl in Wien stetig gestiegen ist. Nun soll auch hier bei gleichzeitiger Schließung der Spitalsambulanzen erneut massiv reduziert werden. Schon jetzt ist es schwierig, einen Termin bei Fachärzten zu bekommen, weil sie größtenteils überlastet sind. Viele Allgemeinmediziner können keine neuen Patientinnen und Patienten mehr annehmen, weil sie jetzt schon weit über ihre Kapazitäten arbeiten. Wo sollen die Patientinnen und Patienten dann hin? Wer kümmert sich um sie, wenn viele Ärztinnen und Ärzte jetzt schon so überlastet sind?

Die Kolleginnen und Kollegen in den Spitälern warten seit Jahren auf menschenwürdige Arbeitsbedingungen und eine leistungsorientierte Honorierung. Ihre verantwortungsvolle Arbeit muss endlich geschätzt und aufgewertet werden. Die Arbeitszeiten müssen entsprechend den gesetzlichen Vorgaben eingehalten werden. Bürokratische Auswüchse – hier könnte man vieles reduzieren – müssen sowohl im Spital als auch im niedergelassenen Bereich endlich auf ein vernünftiges Maß gebracht werden.

Die Burn-out Rate der Ärztinnen und Ärzte ist so hoch wie nie. Auch hier muss endlich von Seiten der Politik Vorsorge getroffen werden! Der geplante Wegfall der Spitalsambulanzen, wichtige Anlaufstellen für die Wiener Bevölkerung, wird vor allem im fachärztlichen Bereich zu dramatischen Versorgungsengpässen und massiven Mangelzuständen führen.

Zu glauben, einfach nur zu reduzieren ist der Stein der Weisen, wird sich zum Bumerang entwickeln und weder im stationären noch im niedergelassenen Bereich funktionieren. Eine Neustrukturierung kann nur dann funktionieren, wenn bei Reduktionen im Spitalsbereich gleichzeitig neue Strukturen im niedergelassenen Bereich geschaffen werden. Nicht Monate oder Jahre später, denn wo gehen die Patientinnen und Patienten in der Zwischenzeit hin?

Alles andere wäre grob fahrlässig und würde einer versorgungspolitischen Fehlleistung ersten Ranges entsprechen. Deshalb: Reformen ja, aber demokratisch, vernünftig und mit Weitblick. Wie? Durch gemeinsames Agieren von Stadt Wien, Wiener Gebietskrankenkasse und der Wiener Ärzteschaft. Zum Schutz unserer Ärztinnen und Ärzte in den Spitälern und im niedergelassenen Bereich und zum Wohle unserer Patientinnen und Patienten.

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