Unsere Abhängigkeit vom Versicherungsriesen

von Dr. Thomas Szekeres, Präsident der Ärztekammer für Wien

Nach der Privatklinik Döbling und der Confraternität-Privatklinik Josefstadt will sich die UNIQA nun das nächste Belegspital in Wien unter den Nagel reißen: das Goldene Kreuz. Damit würde der Versicherungskonzern bereits über 50 Prozent aller Wiener Belegspitäler besitzen. Dass dies nichts Gutes für Patienten und Ärzte bedeutet, liegt auf der Hand. Zwar spricht man auf Seiten der UNIQA-Tochter PremiQaMed nur von einer strategischen Partnerschaft mit Mehrheitsbeteiligung. In Wahrheit aber nimmt die UNIQA mit dieser Übernahme eine absolut marktbeherrschende Stellung ein. Dadurch kann sie die Versicherten hinsichtlich ihrer Prämien und die Ärzte hinsichtlich ihrer Honorare massiv unter Druck setzen. Die UNIQA verleugnet diese Fakten und spricht von einem Marktanteil von 9,4 Prozent. Hier bedient sich die UNIQA übler Zahlentricks, die an der Realität völlig vorbeigehen.

Bei den Geburtskliniken ist die Situation noch dramatischer. Über 80 Prozent der Geburten würden nach der Übernahme in UNIQA-Kliniken stattfinden. Für werdende Mütter in Wien ist die Übernahme des Goldenen Kreuzes daher eine Katastrophe. Wenn diese ihr Kind nämlich von ihrem niedergelassenen Gynäkologen entbinden lassen möchten, sind sie zukünftig völlig von der UNIQA abhängig.

Deshalb hat die Ärztekammer für Wien eine umfassende Stellungnahme an den Bundeskartellanwalt sowie an die Bundeswettbewerbsbehörde eingebracht. Im Interesse aller Versicherten und Ärzte hoffen wir, dass die Behörden diesen Zusammenschluss verhindern werden.

 

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